Kiel zum Ersten (Ankunft)

Festmachen in der Schwentinemündung

Das mit dem Festmachen in der Schwentinemündung war so eine Sache. Die Box war nur gegen den Wind anzulaufen. Das Anlegemanöver hatte ich mit Peter grob besprochen – mein Fehler – es ging natürlich schief. Ehe ich mich versah brach der Bug nach Steuerbord aus und Manati nahm Körperkontakt mit dem dort liegenden Segelboot auf. Gleichzeitig purzelte Peter backbordseitig vom Decksumlauf ins Cockpit. Auf dem touchierten Segelboot schreckte der Eigner hoch. Aus meiner Sicht war das Chaos für den Augenblick perfekt. Peter blieb glücklicherweise unverletzt. Naja vielleicht hatte der Stolz ein bisschen gelitten. Meiner aber auch.  Die Fender rollten an der Bordwand entlang; einer schaffte es sogar bis ans Deck.

Der Eigner vom Nachbarboot kam uns zu Hilfe. Er war eigentlich gerade mit Farbarbeiten beschäftigt. Gemeinsam wurde Manati vertäut.

Danach entschuldigte ich mich erstmal und kramte drei Dosen Bier heraus. Beim „Holsten“ auf den Schreck wurden die Bordwände inspiziert. Unser Nachbar erklärte, dass die ramponierte Backbordseite seiner Brandholm schon vorher so ausgesehen habe. Manati trug auch keinen Schaden davon. Jetzt war Smalltalk angesagt. Uns wurde eröffnet, dass genau an unserem Steg ein Delfin herumschwimmen soll. Auf meine Frage, wer den denn da ausgesetzt habe, wurde nur erwidert, dass er wohl wegen der Heringe hergekommen sei. Es gab dann noch ein paar Tipps zu Essens- und Einkaufsmöglichkeiten. Zwischendurch sprang gelegentlich der Delfin aus dem Wasser.

Irre! Das so weit drin in der Kieler Förde.

In den nächsten Tagen beschäftigte uns die Logistik. Den demontierten Heckkorb holte die Fa. cronimo (als Referenz) ab. Das eigene Auto wurde von Bad Schwartau nachgeführt. Es folgten Einkäufe,  Refit, Wartungs- und Reparaturarbeiten.

Nebenbei wurde für das eigene leibliche Wohl noch die Mensa der nahe gelegenen FH Kiel entdeckt. Zur Auswahl standen  i.d.R. vier Gerichte. Schmackhaft, reichlich und preiswert.

Am Samstag machte ich mich auf den Heimweg.

Manati’s neue Kleider

Im Winter entschloss ich mich, Manati neu einzukleiden. Sprich: Eine neue Persenning für Groß und Großbaum. Einen Bugspriet mit Bugkorb, einen neuen Heckkorb mit Sitzen, Geräteträger und David, sowie eine feste Reling.

Die alte Persenning als Muster abgegeben, machte sich der Sattler sofort an die Arbeit. Sie passt nicht nur von der Farbe, sondern auch so perfekt.

Für die Edelstahl-Arbeiten habe ich die Firma „cronimo“ aus Schwentinental gewinnen können. Schon vor dem Krantermin wurden vor Ort in Bad Schwartau die anstehenden Arbeiten besprochen. Die eigentliche Montage sollte dann aber in Kiel stattfinden.

Beim Sporthafen Kiel wurde ein Liegeplatz reserviert.

Für den Törn nach Kiel wurden zwei Tage eingeplant. Die erste Etappe des Törns sollte bis Heiligenhafen gehen. Der zweite Tag sollte bis Kiel reichen.

Törn nach Kiel

Bad Schwartau – Heiligenhafen

Am 04.05.2019 ging es los. Eine App fand, dass der Wind für unser Vorhaben günstig sei. Um 08:40 Uhr wurden die Leinen gelöst und der Jockel angeschmissen. Bei klarem Himmel die Trave runter bis zur Tankstelle in Travemünde. Dort noch schnell Diesel gebunkert. Kaum in der Lübecker Bucht, wurden die Segel gesetzt. Bei zunächst mäßigem Wind (2 Bf.) ging’s weiter in Richtung Fehmarnsund.

Der Wettergott – keine Ahnung welcher das war – zog bald alle Register. Außer Nebel hatten wir fasst die gesamte Palette. Neben ein wenig Regen gab es in der Mecklenburger Bucht Graupel, Hagel und sogar Schnee!! Außerdem eine heftige Dünung und kräftige Böen. „Auf der Kirmes müsste man dafür Geld bezahlen!“ meinte Peter. Das konnte ich nur bestätigen.

Zwischen Kellenhusen und der Sagasbank nahm der Wind ab und dreht auf Nord. Wir hatten also gleichzeitig  zwei der drei vorherrschenden Windrichtungen für Segler: „Zu wenig und gegenan:“ Ich bemühte den eisernen Gustav. Unter der Fehmarnsundbrücke hindurch bis nach Heiligenhafen schnurrte er bis 21:10 Uhr.

Im Hafen war kaum Betrieb. Das Ambiente und die sanitären Einrichtungen waren ansprechend. Als der Landstrom angeschlossen wurde flog der FI-Schalter von Manati raus. Der Grund war nicht ersichtlich.  Das sollte sich später klären. Um 07:00 Uhr öffnete das Hafenbüro am nächsten Morgen. Das Liegegeld wurde entrichtet und schon ging es weiter.

Heiligenhafen – Kiel

Kein Wind und spiegelglatte See ließ den Gedanken an Segeln erst gar nicht aufkommen. Auch nach Zunahme des Windes blieb der Motor in Betrieb. Genau von vorn (West). Es war aber nicht nur der Wind, der zunahm. Die Dünung tat es dem Wind gleich und deshalb wurde es vor der Kieler Förde echt unangenehm. Über die Leistungsreserven von Manati’s Motor habe ich mich dort nur noch gefreut. Erst in der Innenförde wurde es besser.

In der Schwentine-Mündung wurde dann um 17:40  Uhr am reservierten Stegplatz festgemacht.

Über die weitere Einkleidung wird berichtet.

Saisonbeginn

Krantermin

Zu Beginn der Saison steht der Krantermin. Dieser war im Kalender am 17.April um 10:00 Uhr vermerkt. Fast pünktlich, also um 10:45 Uhr ging es los. Die Manati wurde mit einem Stapler zum Kran geschoben.

Gurte wurden angelegt und Manati wurde sicher zu Wasser gelassen.

Der umgebaute Mast kam dazu und zu guter Letzt wurde der Windmesser montiert. Soweit so gut.

Die erste Sichtung der Bilge ergab, dass die neuen Geber offenbar wasserdicht eingebaut sind. Es galt noch den Liegeplatz aufzusuchen und die Segel anzuschlagen. Saisonbeginn!

Unser feste Liegeplatz war von einem fremden Boot belegt.  Übergangsweise sollten wir in der Box links davon festmachen. Das war kein Problem.

Hafenkino

Am nächsten Tag verließ der Fremdparker unseren Liegeplatz. Da ja lediglich eine Box weitergezogen werden musste, plante ich ein Leinenmanöver, ohne den Diesel bemühen zu müssen.

Eine lange Leine wurde Peter auf dem Steg in die Hand gedrückt, um den Bug nach Backbord zu verholen. Ich selbst löste die Backbord-Heckleine, zog mich zum Steuerbor-Dalben, um auch hier die Leine zu lösen. Dummerweise gestaltete sich das schwieriger als angenommen und ehe ich mich versah wehte mit der Wind die Manati sprichwörtlich unter den Füßen weg.  Eine schnelle Entscheidung musste her: Ins Wasser (das Boot war schon zu weit weg, oder trocken an den Dalben.

Da hing ich nun wie ein Affe an der Palme!! Und dann – ohha – die laute Frage: Kann ich irgendwie helfen? trug nicht dazu bei, meine Stimmung zu verbessern. Peter schaffte es, die Manati zurück zu schubsen. Ich konnte wieder übersteigen und das Manöver fand dann doch noch wie geplant statt. Ein Stegnachbar meinte dann zwar noch: Das habe nicht so ausgesehen, als wenn das so geplant war? Leider musste ich ihm recht geben. Ich war froh, dass es nicht viele Zeugen des Saisonbeginns meines persönlichen Hafenkinos gab.

Peter ärgerte sich nachher darüber, dass er davon kein Foto gemacht hat. Gott sei Dank war sein Fotoapparat unter Deck auf der Manati. Wie ich Peter kenne, hätte er mich für „die Fotos“ bestimmt einige Zeit hängen lassen.

Vorbereitungen für die Saison 2019

Vor dem Kranen – Termin ist der 05.04.2019 – standen noch ein paar Arbeiten an. Ein Platz für den Kartenplotter (7″) musste her. Schon fing das große Rätselraten an. Das „Riesending“ passte nicht neben das Motorpanel am Innensteuerstand. Der Platz darüber war bereits für das neue DSC-Seefunk-Gerät vorgesehen. Tja wohin??

Nach langem Suchen und Messen wurde die Instrumentenmulde in der Kabinenaußenwand auserkoren. Da war allerdings der Kompass mittig verbaut und damit im Weg. Ein Versetzen war kein Problem. Das zurückgebliebene Loch wurde zu laminiert und daneben der Plotter eingepasst. Die Instrumentenmulde erhielt dann nicht mehr die alte weiße Farbe, sondern eine blaue. Damit passte sie sich ins Gesamtbild ein. Ich finde, das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Nur dass sich etwas blaue Farbe unter das Klebeband verirrte, verschlechtert das Ergebnis. Lässt sich aber noch beseitigen.

Die Kabel für das neue Bussystem wurden verlegt. Fachleute erklärten mir, dass die alten Geber (Logge und Echolot) nicht kompatibel sind. Also raus damit. Und ein schon neues Problem: Der neue Geber beherbergt beide Funktionen in einem Teil. Ein Loch zu viel im Rumpf!!!!

Die kostspielige Lösung: Ein Forward-Scan

Das Teil war allerdings nicht zeitgerecht lieferbar. Also wurde der Krantermin verschoben auf den 17.04.2019.

Bis dahin sollte auch der Mast fertig sein. Neue Stagen und Wanten, eine Windmessanlage, eine Funkantenne und die Möglichkeit eine zweite Roll-Reff-Anlage zu fahren waren der Auftrag.

 

 

Winterschlaf

Ende Oktober war es soweit, die Manati kam auf’s Trockene. Zunächst wurde der Mast gelegt.

Danach machte sich der Kran daran, die Manati aus dem Wasser zu hieven. Das Unterwasserschiff machte Bekanntschaft mit dem Muschelschaber, wobei dort kaum Anhaftungen vorhanden waren. Lediglich der Saildrive und die Schraube waren erneut mit „Pocken“ übersät.

Im Bock wurde die Manati dann

auf dem Gelände abgestellt und anschließend von mir zugedeckt, damit sie nicht so friert. Quatsch: Die Plane sollte verhindern, dass das Teak-Deck im Winter Frostschäden erleidet. Jetzt begann also Manatis Winterschlaf.

Von wegen Winterschlaf!

Bereits nach dem ersten heftigen Sturm bin ich wieder hin – und das war auch gut so!!! Die Plane war eingesunken. Riesige Wassersäcke belasteten die Reling. Eine Relings-Stütze war bereits verbogen. Eine neue Konstruktion musste her. Ein nahegelegener Baumarkt wurde geplündert und die Plane anders gestützt.

Zu Hause wurde ein neues Schaltpanel gebaut. Das Verbauen in die vorhandene Verdrahtung durchdacht und Verbindung mit einem Edelstahlschlosser aufgenommen, welcher die Manati mit Bugspriet, fester Reling und neuem Heckkorb nebst Sitzen und integriertem Geräteträger versieht.

Die Boot in Düsseldorf wurde ebenfalls besucht.

Ernüchterung

Im Frühjahr dann war’s vorbei mit dem „Winterschlaf“. Die Planen-Konstruktion hatte sich nicht bewährt. Es gab immer noch Wassersäcke.

Die Unterkonstruktion war zusammengebrochen. Eine weitere Stütze stark verbogen. Nächsten Winter muss das unbedingt besser werden.